Angelica Domröse

Angelica Domröse wurde am 4. April 1944 in Berlin-Weißensee geboren und ist eine deutsche Bühnen- und Filmschauspielerin sowie Regisseurin.

Schule, Ausbildung und Beginn der Schauspielkarriere

512px-angelica_domrose_0036.jpg
Franz Richter (User:FRZ), CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Ihr leiblicher Vater, ein jüdischer Zwangsarbeiter, verstarb im Zweiten Weltkrieg, ihre Mutter heiratete neu. Domröses Kindheit war von emotionaler Kälte und ihrem bestimmenden Stiefvater, Rudolf Otto Domröse, geprägt. Nach der Schule absolvierte Domröse eine Ausbildung zur Stenotypistin in Berlin und arbeitete zeitweise für das staatliche Außenhandelsunternehmen DIA Invest-Export. Immer präsent: der Traum von der Schauspielerei. Entdeckt wurde Domröse schließlich 1959 von Regisseur Slatan Dudow beim Casting zur DEFA-Gegenwartskomödie Verwirrung der Liebe (1959). Domröse konnte sich dabei gegen 1.500 Bewerberinnen durchsetzen und ergatterte ihre erste Hauptrolle. Der Film erzählt die Liebesgeschichte zweier junger Paare, welche unbeabsichtigt einen Partnertausch begehen. Im Film verkörpert Domröse die mädchenhafte und fröhliche Siegi, eine einfache Arbeiterin aus Berlin. Später bezeichnete die Schauspielerin diese Rolle als ihre „zweite Geburt“. Noch während der Dreharbeiten trat sie, im bereits laufenden Semester, in die Schauspielklasse der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg ein. Nach dem Abschluss 1961 wurde sie am Berliner Ensemble angestellt. Dort besetzte Domröse einige große Rollen, wie die der Hure Betty in der Dreigroschenoper (1960) in der Inszenierung von Erich Engel oder die der Näherin Babette in Die Tage der Commune (1962). In dieser Zeit wurde sie zu einer sehr gefragten und erfolgreichen Schauspielerin, die in einigen weiteren DEFA-Filmen wie Julia lebt (1963) oder Chronik eines Mordes (1964) dabei war.

Domröse auf der Berliner Volksbühne und in DEFA-Filmen

1966 wurde Domröse als „Beste Schauspielerin des Jahres“ ausgezeichnet und wechselte nach zur Berliner Volksbühne. „Es war schmerzhaft. Ich wollte mir das Leben nehmen“, beichtete Domröse, für die nach der Kündigung beim Berliner Ensemble zeitweilig die Welt zusammenbrach (Deutschlandfunk Kultur). Doch die Schauspielerin blieb stark und ehrgeizig. Einem größeren Publikum wurde Domröse schließlich durch den Erfolgsfilm Effi Briest (1969) bekannt.

Die Rolle ihres Lebens folgte im Film Die Legende von Paul und Paula (1973) von Heiner Carow. Hier spielt Domröse die Protagonistin Paula: eine hart arbeitende, sich aufopfernde zweifache Mutter, welche eine unglückliche Beziehung hinter sich hat. In einer Bar trifft Paula den frustrierten Paul, der seiner Ehe entfliehen möchte. Die beiden beginnen eine Affäre und müssen fortan um ihre Beziehung kämpfen. Dabei verfolgt Paula träumerisch, aber unbeirrt ihre Ansprüche. Für die DEFA wurde der Film zum größten Publikumserfolg. Noch heute bringen Angelica Domröse Millionen Zuschauer mit dieser Rolle in Verbindung. In einem Interview mit dem NDR beschrieb sie ihre Bilderbuchkarriere so: „Ein 17-jähriges Mädchen, das als Laie einen Film macht, dann studieren darf, zum Berliner Ensemble kommt, an der Volksbühne Theater macht und nebenbei ihre Filme – da ist auch schon eine Portion Glück dabei“.

In den folgenden Jahren arbeitete Domröse des Öfteren mit Regisseur Heiner Carow zusammen, wie in Bis dass der Tod euch scheidet (1978) und Die Verfehlung (1991). Im Film Die Verfehlung (1991) setzte sich Domröse nicht nur mit ihrer eigenen DDR-Vergangenheit auseinander, sondern schrieb zudem ihre Rolle aus Die Legende von Paul und Paula fort. Aber auch durch weitere Fernsehrollen, wie Fleur Lafontaine (1978), zog sie Aufmerksamkeit auf sich.

Konflikt mit der Staatsführung der DDR und Ausreise in den Westen

Der DDR stand die Künstlerin lange vorbehaltlos gegenüber. Dies änderte sich mit der Wolf-Biermann-Affäre. 1976 unterschrieb Domröse mit einigen weiteren bekannten Medienschaffenden eine Protestresolution gegen die Ausbürgerung des Musikers. „Es war das erste Mal in der Geschichte der DDR, dass sich die Regenten mit einem öffentlichen Protest von bekannten Intellektuellen auseinandersetzen mussten“ (MDR). Angelika Domröse wurde trotz ihrer großen Bekanntheit für keine Rolle mehr besetzt. 1980 beschloss sie mit ihrem Ehemann Hilmar Thate, die DDR zu verlassen. „Ich hatte immer Angst, die nehmen mir den Pass weg. Ich hatte immer Angst, die überlegen es sich anders, und wir dürfen nicht umziehen. Es war ja auch Schikane, wie willst du dich gegen Schikane wehren. Aber daran haben wir lange geknabbert“so beschrieb Domröse ihre Gefühle in der Frankfurter Rundschau. In Westdeutschland­­­­­­­­­­­­­­­ blieben die erhofften Filmrollen zunächst aus. Domröse verschob ihr Augenmerk auf das Theater und konnte in den großen Häusern in Stuttgart, Hamburg, West-Berlin und Wien in starken Rollen überzeugen, darunter in Brut (1992) und Josef und Maria (2001).

Karriere nach 1990

In den 1990er Jahren war Domröse in der Kriminalserie Polizeiruf 110 und im Thriller Kalte Küsse (1997) zu sehen. 2003 veröffentlichte die Schauspielerin eine Autobiografie mit dem Titel „Ich fang mich selbst ein: Mein Leben“. Zuvor unterrichtete sie zeitweilig an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Schon dort verabschiedete sich Angelica Domröse langsam von ihrer Karriere. Ihren letzten Auftritt hat Domröse dann im Film Bis zum Horizont, dann links! (2012) von Bernd Böhlich. Nach dem Tod ihres Mannes 2016 hat sich die Schauspielerin endgültig aus der Film- und Theaterwelt zurückgezogen. „Ihrer Schauspielkunst aber können wir jederzeit begegnen – in den Filmen, in denen sie so unvergänglich ist“ (Deutschlandfunk Kultur).

Empfohlene Zitierweise

Angelica Domröse. In: Daria Gordeeva, Michael Meyen (Hrsg.): DDR im Film 2022, https://ddr-im-film.de/de/akteur/domroese