Lothar Warneke

Blickt man auf Warnekes Leben, so wird dieses vor allem durch die Motive ‚Glauben im Film‘ und ‚realitätsnahes Kino‘ geprägt. Neben Roland Gräf und Rainer Simon gehört er zu den wichtigsten DEFA-Regisseuren der 1980er Jahre (DEFA-Stiftung).

Lothar Warneke wird am 15. September 1936 in Leipzig geboren. Sein erster Berührungspunkt mit dem Film geht auf ein Weihnachtsfest in der Kindheit zurück. Sein Vater schenkt ihm eine Kinomaschine für 35-mm-Filme, eine sogenannte ICA Monopol. In einem Interview berichtet er, dass sich beim Anschauen des Filmmaterials eine neue Welt öffnete. Für ihn wurde damals die Verbindung zwischen diesem schönen „Ereignis“ des Erlebens und der „Technik“ klar (Warneke/Richter 2005: 23).

Als Erwachsener schlägt er aber zunächst einen anderen Weg ein: Sein Theologie-Studium an der Karl-Marx-Universität 1954 in Leipzig gestaltet sich als Irrläufer. Er führt es zu Ende, wird aber nicht Pfarrer, sondern wendet sich im Gegenteil von der Kirche ab. Warneke landet schlussendlich bei seiner frühen Leidenschaft: dem Kino. 1960 beginnt er ein Regie-Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Babelsberg.

Eine seiner Inspirationen im Studium ist der italienische Neorealismus. Durch ihn lernt er, dass es neben der Unterhaltung auch noch die „Lebenshilfe“ im Film gibt. Kino kann im eigenen Leben mitwirken und einen sich weniger allein mit seinen Problemen fühlen lassen. Dieser frühe künstlerische Einfluss lässt sich auch später in seinen realitätsnahen Spielfilmen finden (Warneke/Richter 2005: 51).

Warnekes Filmkarriere

Erste Arbeitserfahrung sammelt Warneke im Studium als zweite Regieassistenz bei Joachim Kunert. Später berichtet er, dass er in dieser Zeit zum ersten Mal verstanden hat, dass Film Gemeinschaftsarbeit bedeutet. In den Recherchen zu seiner Diplomarbeit über den dokumentarischen Spielfilm kommt Warneke wieder auf den italienischen Neorealismus zurück (Warneke/Richter 2005: 56–60). Er schließt die Filmhochschule 1964 ab. Neben Kunert arbeitet er auch für die DEFA-Regisseure Egon Günther und Kurtz Maetzig als Regieassistent (ebd.: 66). Sein erstes komplett eigenes Projekt als Regisseur ist der Porträtfilm Dr. Med. Sommer II (1970), wo Warneke ein eigenes Drehbuch verfilmt.

Bereits in seiner Zeit als Assistent am Studio wird ihm besonders ein Konflikt bewusst, der ihn noch später begleiten wird: die Schwierigkeit, seine idealistischen Vorstellungen im DDR-System zu realisieren (ebd.: 67). Diese Thematik greift er im Publikumserfolg Unser kurzes Leben von 1981 auf. Der Film basiert auf Brigitte Reimanns Roman Franziska Linkerhand und handelt von einer jungen Architektin, die versucht, in einer Kleinstadt ihre künstlerischen Träume gegen die starre und systemtreue Arbeitsweise ihrer Kollegen durchzusetzen.

Als eines seiner besten Werke gilt der Film Die Beunruhigung (1981). Lob kam hier sogar von außerhalb der DDR-Grenzen. Für den großen Erfolg mitverantwortlich ist die Bildgestaltung von Thomas Plenert sowie das als überragend bewertete Schauspiel der Protagonisten (DEFA-Stiftung). Trotz Kirchenaustritts findet Warneke wieder Gefallen am Glauben und initiiert später an der Filmhochschule Babelsberg eine Lehrveranstaltung über Film und Theologie (Warneke/Richter 2005: 41).

Nach der Wende hofft Warneke auf weiteren Erfolg und nun vielleicht auch internationale Beziehungen, wird aber enttäuscht. Es erscheinen keine weiteren Kinofilme mehr. Zu seinen letzten Projekten gehören die Dokumentarfilme Ich bin das achte Weltwunder – Marcello Cammi und Zwei Schicksale oder Eine kleine Königstragödie (Bundesstiftung Aufarbeitung).

Warneke zur „DDR im Film“

Rückblickend lobt Warneke einerseits die Filmkunst der DEFA-Produktionen, spricht aber auch ein großes Problem an: die Darstellung der DDR-Wirklichkeit. Er kritisiert, dass die in den Ateliers konstruierten sozialistischen Wirklichkeiten ein fernes Abbild der ostdeutschen Lebensrealität darstellten. Er geht sogar so weit und behauptet, dass es sich im ostdeutschen Film nicht nur um eine beschönigte Darstellung handelt, sondern dass systematisch gelogen wurde (Warneke/Richter 2005: 61). Warneke selbst blieb dem dokumentarischen Spielfilm treu: Seine realitätstreuen Kinofilme hatten Erfolg beim Publikum und liefern noch heute Einblicke in das triste DDR-Leben. Besonders die Entscheidung, an Originalschauplätzen zu drehen, verleiht seinen Filmen Authentizität (DEFA-Stiftung). Warneke erhielt einige Auszeichnungen, darunter den Kunstpreis der DDR (1974), den Kunstpreis des FDGB (1981) sowie den Publikumspreis „Großer Steiger“ (1982). Lothar Warneke stirbt am 5. Juni 2005 in einem Potsdamer Krankenhaus.

Literatur

Lothar Warneke: Die Schönheit dieser Welt. Erinnerungen eines Filmregisseurs (Aufgezeichnet von Erika Richter). Berlin: DEFA-Stiftung 2005.

Empfohlene Zitierweise

Lothar Warneke. In: Daria Gordeeva, Michael Meyen (Hrsg.): DDR im Film 2022, https://ddr-im-film.de/de/akteur/warneke