Thomas Brussig

Portrait

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Der Schriftsteller und Drehbuchautor Thomas Brussig wurde 1964 in Berlin geboren. Nach einer Ausbildung zum Baufacharbeiter, dem Grundwehrdienst und ein paar Semestern Soziologie ging er 1993 an die Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und bekam dort im Jahr 2000 ein Diplom als Film- und Fernsehdramaturg. Als Autor hatte Brussig da schon einen Namen. Nachdem sein Romanerstling Wasserfarben, geschrieben noch in der DDR, 1991 zunächst unter Pseudonym erschienen war, wurde Helden wie wir (1995) ein Verkaufserfolg. Die Verfilmung kam 1999 unter dem gleichen Titel ins Kino. Die DDR und der Osten Deutschlands sind seither aus Brussigs Werk nicht wegzudenken. Er gilt als Wegbereiter der literarischen Vergangenheitsbewältigung und als Vertreter der „Wende-Literatur“ (KinderundJugendmedien.de).

Brussigs Buch Am kürzeren Ende der Sonnenallee (1999) ist eine Art Abfallprodukt des Kino-Kassenschlagers Sonnenallee (1999) von Leander Haußmann, für den Brussig erst das Drehbuch beisteuerte und daraus dann einen Roman machte. Im Spiegel sagte der Schriftsteller, dass in diesem „Stoff etwas Krampflösendes liegt, das über das Buch hinausgeht: ein Friedensangebot an die DDR-Vergangenheit“. Schon damals meinte er, dass die DDR für ihn nicht mehr präsent sei, er sich aber andauernd damit beschäftige – mehr vielleicht, als er möchte.

Zehn Jahre später sagte er der Kölnischen Rundschau zu seinen Gefühlen im Herbst 1989: „Einerseits herrschte natürlich eine unfassbare Freude. Andererseits war der Mauerfall aus dem unmittelbaren Erleben heraus gar nicht so überragend, sondern nur ein Ereignis in einer Kette ebenso unglaublicher Ereignisse.“ In seinem Roman Das gibts in keinem Russenfilm (2015) beschreibt Brussig dann eine fiktive DDR, in der die Mauer nie gefallen ist, und verwischt so „die Grenzen zwischen Dokumentation und literarischer Freiheit“ (Deutsche Welle). Die DDR wünscht er sich offenbar trotzdem nicht zurück. Der Süddeutschen Zeitung sagte er 2015: „Bloß nicht! Die Wende war ein Wunder und ein Glücksfall.“

Empfohlene Zitierweise

Thomas Brussig. In: Daria Gordeeva, Michael Meyen (Hrsg.): DDR im Film 2022, https://ddr-im-film.de/de/akteur/brussig