Leander Haußmann

Portrait

Leander Haußmann
Siebbi, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons

Der 1959 in Quedlinburg geborene und in Berlin aufgewachsene Theaterregisseur und Schauspieler Leander Haußmann feierte seinen Durchbruch als Regisseur mit dem Film Sonnenallee (1999). Davor besuchte er von 1982 bis 1986 die Schauspielschule Ernst Busch in Berlin, spielte an einigen Theatern in der DDR, war der Page Brühl in der DEFA-Filmreihe Sachsens Glanz und Preußens Gloria (1985 bis 1987) und begann 1990 eine Zweitkarriere als Regisseur am Theater und für Filme.

Haußmanns Erfolge kommen nicht von ungefähr. Er stammt aus einer Schauspiel-Dynastie. Sein Opa Erich war bei der Ufa und sein Vater Ezard ein DDR-Star. Die Familiengeschichte und vor allem die Vater-Sohn-Beziehung hat Leander Haußmann in seiner Autobiografie Buh verarbeitet (2013 bei Kiepenheuer & Witsch mit dem feinen Untertitel „Mein Weg zu Reichtum, Schönheit und Glück“ erschienen). Man erfährt dort etwas über „Theaterabenteuer in der tiefsten DDR-Provinz, kuriose Stasi-Überfälle und rekordverdächtige Alkoholexzesse, eine Druckerlehre mit gefährlichen Druckmaschinen, die missglückte Ehe der Großmutter mit Hermann Hesse, Ausreiseanträge und den Mauerfall“ (Verlagswerbung).

Dem Spiegel sagte Haußmann schon 1999: „Ich habe meine schönsten Jahre in der DDR verlebt“. An diesem Bild wollte er auch Anfang der 2010er Jahre nicht rütteln. In einem Gespräch mit Dominik Baur beklagte er das negative DDR-Bild in der Öffentlichkeit. Er habe das anders erlebt, obwohl er selbst einen Ausreiseantrag gestellt habe. In der DDR sei zwar sehr viel gemeckert worden, es habe aber nicht nur die Stasi und ihre Opfer gegeben, sondern vor allem die 90 Prozent der Menschen, die zwischen diesen beiden Extremen gelebt haben, sozusagen in einer Parallelwelt, die schwer herübergebracht werden kann.

Neben Sonnenallee (1999) stehen der DDR-Film NVA (2005) und ein Versprechen in Haußmanns Filmografie. Seine „Stasikomödie“ ist bis zum Redaktionsschluss (Sommer 2021) Ankündigung geblieben. Dem Portal Nachtkritik sagte der Regisseur 2019 über sein Verhältnis zur DDR: „Ich habe das Potenzial erkannt, dass dieses Land in seiner klaustrophobischen, übersichtlichen Anordnung wahnsinnig gut geeignet ist, um Geschichten zu erzählen. Und zwar Geschichten, die uns heute auch noch etwas angehen: Familie in schweren Zeiten, Freundschaft, Verrat. (...) Das war immer mein Ziel und ist es heute noch: die DDR zu mystifizieren, etwas zu erschaffen, das eine Kunstwelt ist, in der wir uns mittels der Klischees zurechtfinden können. Es gibt ja nichts Besseres als eine Welt, in der wir uns zurechtfinden. Da müssen wir als Erzähler die Welt nicht immer noch miterzählen, sondern können uns auf die Menschen konzentrieren, die sich in dieser Welt befinden.“

Empfohlene Zitierweise

Leander Haußmann. In: Daria Gordeeva, Michael Meyen (Hrsg.): DDR im Film 2022, https://ddr-im-film.de/de/akteur/haussmann