Henckel von Donnersmarck, Florian

Portrait

„Ich drehe ein Melodrama mit Thrillerelementen (…). Das geschlossene System DDR bietet wie alle totalitären Regime einen hervorragenden Hintergrund dafür.“ (Florian Henckel von Donnersmarck, Tagesspiegel)

Florian Henckel von Donnersmarck, Jahrgang 1973 aus Köln, ist einer der bekanntesten deutschen Regisseure und Drehbuchautoren. Seinen internationalen Durchbruch feierte er mit dem Stasi-Drama Das Leben der Anderen (2006), das er im Rahmen seiner Abschlussarbeit an der Filmhochschule München realisierte. Der Film wurde mit dem Oscar für den Besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet und machte ihn schlagartig berühmt.

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Deutsches Filmmuseum, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons

Der 1973 in Köln geborerene Henckel von Donnersmarck erinnert sich in einem Tagesspiegel-Interview an seine Kindheitserlebnisse bei Besuchen von Bekannten in Magdeburg: „Es herrschte eine Atmosphäre der Angst.“ Umso mehr erstaunte es ihn, dass der Überwachungsstaat in Filmen häufig als Kulisse für Komödien diente: „Da war nichts Witziges oder Rührendes. (…) Die Angst ist im Kino noch überhaupt nicht thematisiert worden.“ Gleichzeitig erkannte der Filmemacher das emotionale Potenzial der DDR-Geschichte für das Kino: „Extreme sind immer gute Ausgangspunkte für Geschichten, die auch extreme Emotionen liefern. Die Stasi bestand aus 100.000 offiziellen und 200.000 inoffiziellen Mitarbeitern – das ist eine extreme Größenordnung.“ (WELT)

Henckel von Donnersmarck sieht seinen fehlenden persönlichen Bezug zur DDR als Vorteil. Er ermögliche ihm, sich dem sensiblen und emotional aufgeladenen Thema mit vermeintlicher Unbefangenheit und ohne vorgefertigte Urteile zu nähern: „Wenn ich direkt betroffen gewesen wäre, hätte ich wohl nicht mit Stasi-Männern über ihre Arbeit reden können. Ich versuchte, mein Urteil zurückzustellen, um die Geschehnisse herauszukristallisieren, das gewissermaßen wissenschaftlich anzugehen.“ (WELT)

Damit gehört Henckel von Donnersmarck zu jenen Filmemachern, die keinen persönlichen Bezug zur DDR haben und in ihr vor allem eine Diktatur sehen, deren Verharmlosung zu vermeiden ist. Für sie liefert die DDR-Geschichte nicht nur reichlich Material für packende Erzählungen, sondern auch eine Gelegenheit, den Wert der Freiheit zu betonen und vor den Gefahren von Diktatur und Machtmissbrauch zu warnen.

 

 

 

 

Literatur

Dieser Beitrag stützt sich in wesentlichen Teilen auf die Monografie der Autorin, Sozialismus im Kino. Filmische Erinnerungen an die DDR und die Sowjetunion zwischen Politik, Kunst und Kommerz (transcript 2024).

Empfohlene Zitierweise

Henckel von Donnersmarck, Florian. In: Daria Gordeeva, Michael Meyen (Hrsg.): DDR im Film 2025, https://ddr-im-film.de/de/person/donnersmarck