Anna Loos

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Siebbi, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons

Anna Loos wurde 1970 in Brandenburg an der Havel geboren. An die DDR hat sie nur wenig gute Erinnerungen. So erzählte sie 2019 der Zeit: „Alles, was ich in der DDR toll fand, das war meine Familie – und die gibt es ja noch. Und alles, was ich doof fand, gibt es nicht mehr.“ 1988 gelang der 17-jährigen Loos die Flucht über Tschechien.

In jungen Jahren nahm die Schauspielerin Ballett- und Gesangsunterricht und spielte als Jugendliche in der Punkband „Leck mich am Arsch“. Später wurde sie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ aufgrund ihrer Punkattitüde nicht angenommen. Dem Tagesspiegel erzählte Loos in einem Interview, ihre Prüfung an der Hochschule sei zwar gut verlaufen, jedoch hatte ihr Vater zeitgleich eine Position als Leiter eines Betriebes abgelehnt, da sonst in die Partei gemusst hätte. „Vielleicht war das für uns alle nicht so gut. […] es bestand kein Grund mich nicht aufzunehmen“, mutmaßte sie weiter. Den Entschluss zu fliehen traf sie kurze Zeit später: „Ich hatte den großen Schulatlas auf dem Schoß und dachte: ‚Alles klar, wie komme ich von hier in den Westen?‘ Dann ratterte es bei mir im Kopf, ich hab’s geplant, ziemlich naiv, alles in ein kleines Buch notiert, meine Ideen, meine Wut. Meinen Eltern habe ich nichts gesagt. Ich wusste ja, was mit Leuten passiert, die in Fluchtpläne eingeweiht sind.“ Die Schwester der Schauspielerin wurde zuvor wegen „Beihilfe zum ungesetzlichen Grenzübertritt“ zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Mit ihrer besten Freundin flüchtete Loos über Tschechien, Ungarn und Österreich. Sie überquerten die Donau, klopften in einem Dorf an eine fremde Tür und wurden zur Botschaft der Bundesrepublik gefahren. „Ich habe sie [ihre Eltern] sehr enttäuscht. […] Heute weiß ich, dass die Pubertät einfach die egoistischste Lebensphase ist. Ich würde so etwas nicht mehr machen, aber zu dieser Zeit war mir alles egal.“ Über die Wende und die Jugend von heute sagt Loos: „Geschichten über mein damaliges Leben sind für sie wie Märchen. Ich glaube, dass die Trennung zwischen Ost und West im Kopf noch so lange existiert, wie es die Generation gibt, die die Teilung erlebt hat. Wir Wendekinder sind die glücklichsten Menschen der Erde. Ich fühle mich privilegiert, weil ich beides erlebt habe, dass ich den Osten kannte.“

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ZDF/Julie Vrabelova

Anna Loos in Tannbach (2015 – 2018)

Im Westen besuchte Loos das Johann-Rist-Gymnasium und wohnte bei ihrer Tante in einem Vorort von Hamburg. Sie machte mit Musik weiter und schloss sich einer Band an. Nach ihrem Abschluss absolvierte sie ein Schauspielstudium an der Hamburg Stage School of Music, Dance and Drama. Ihre erste Filmrolle hatte Anna Loos in der Kinokomödie Das Mambospiel (1998). Der Durchbruch kam im Jahre 2000 mit einer Rolle im Krankenhausthriller Anatomie. Bei den Dreharbeiten zu dem Film Halt mich fest! (1999) lernte sie ihren späteren Ehemann Jan Josef Liefers kennen, der ebenfalls aus der DDR stammt. Von 2006 bis 2018 spielte sie in der Rockband „Silly“, die zu den erfolgreichsten Bands aus dem Osten gehört. Schon während der DDR-Zeit war sie Fan der Band. „Diese Wut, die man im Osten unterschwellig hatte, haben ‚Silly‘ unglaublich gut zum Ausdruck gebracht“, sagte sie in tipBerlin. Loos spielte auch in den DDR-Filmen Böseckendorf (2009) und Das Wunder von Berlin (2008). Zu dem Film Böseckendorf, in dem es um eine Massenflucht geht, sagt Loos zur Merkur, sie habe es vergleichsweise leicht gehabt, da sie sich zum Zeitpunkt ihrer Flucht noch nichts aufgebaut hatte. 2010 wurde sie für die Goldene Kamera in der Kategorie „Beste deutsche Schauspielerin“ für Böseckendorf nominiert. 2012 gewann sie den Deutschen Fernsehpreis und 2018 erhielt sie den Verdienstorden des Landes Berlin. „Man sei überzeugt, dass Loos sich mit ihrem vielfältigen künstlerischen und hierbei im besonderen mit ihrem filmischen Schaffen um das Land Berlin verdient gemacht hat“, schrieb der Tagesspiegel zu ihrem Erfolg.

Empfohlene Zitierweise

Anna Loos. In: Daria Gordeeva, Michael Meyen (Hrsg.): DDR im Film 2022, https://ddr-im-film.de/de/akteur/loos