Alexander Scheer

Portrait

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Thomas Holbach, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Alexander Scheer wurde 1976 in Berlin geboren und ist Musiker, Theater- und Filmschauspieler. Er besuchte das Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium, brach die Schule allerdings nach der elften Klasse ab, um Schauspieler zu werden. Im Tagesspiegel beschrieb Scheer 2018 sein Lebensgefühl so: „Ich bin in zwei Staaten aufgewachsen und hege zu keinem ein Heimatgefühl. Ich habe Kindheitserinnerungen an ein Land, das DDR hieß. Und ich suche immer nach meinen Wurzeln. Ist doch klar, der Osten war vorbei, und plötzlich soll alles ganz anders gewesen sein. Die Hälfte der Lehrer, die noch unterrichten durften, weil sie nicht bei der Stasi waren, mussten uns den ganzen Quark noch mal andersrum erzählen.”

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Delphi Filmverleih GmbH

Alexander Scheer in Sonnenallee (1999)

Entdeckt wurde Scheer 1999 von Leander Haußmann – beim Casting zum Film Sonnenallee (1999). Die Rolle des Michael Ehrenreich war für Scheer der Durchbruch. Anschließend hat er mit Haußmann am Schauspielhaus Bochum zusammengearbeitet (unter anderem in Viel Lärm um Nichts, Leonce und Lena und Der Sturm). Sein größter internationaler Erfolg war ein Auftritt an der Seite von Johnny Deep als Vater von Jack Sparrow im Film Fluch der Karibik – Salazars Rache (2017).

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Peter Hartwig/Pandora Film

Alexander Scheer in Gundermann (2018)

Anschließend feierte er in Deutschland den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere: die Hauptrolle in Andreas Dresens Filmbiografie Gundermann (2018). Die Figur dieses DDR-Rockmusikers und Baggerfahrers war vorher vor allem im Westen und in den jüngeren Generationen eher unbekannt. Scheer brachte in diese Produktion musikalisches Talent und Erfahrungen als Gitarrist, Frontsänger, Keyboarder und Schlagzeuger ein. Er konnte die Lieder von Gundermann selbst einzusingen und ging dann mit dem Regisseur und einer neuen Band auf eine Premieren- und Konzerttour durch ganz Deutschland. Scheer über die Lieder von Gundermann: „Die sind alle echt! Trotz Gundermanns sehr eigener Poesie sind sie zeitlos und unterscheiden sich von westdeutschen Texten. Die Sprache ist dieselbe, aber die Erfahrungen sind andere. Die DDR war ein anderes Land mit anderen Menschen. In seinen Liedern spürst du, wie der Osten tickt.” (Arte). Für die Gundermann-Rolle wurde Alexander Scheer mit dem Günter-Rohrbach-Filmpreis, dem Bayerischen Filmpreis und dem Deutschen Filmpreis 2019 als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Im Programm der Deutschen Welle sagte Scheer, dass die DDR-Vergangenheit und ihre Alltagskultur besser aufgearbeitet werden müsse: „Wir haben eine andere Wahrnehmung. Es gibt einen grundlegenden Unterschied im Ansatz, über Sachen nachzudenken, zwischen Ost und West. Ich finde das immer blöd, wenn man so sagt, der Westler, oder auch die Westlerin. Aber ich habe das bei meinen Gesprächen mit Journalisten aus Ost und West oder auch, wenn ich in Hamburg am Theater arbeite, bemerkt: Der Westler hat einen völlig anderen Ansatz als der Ostler – oder die Ostlerin, über Sachen nachzudenken. Das ist natürlich eine Frage der Sozialisation.”

Empfohlene Zitierweise

Alexander Scheer. In: Daria Gordeeva, Michael Meyen (Hrsg.): DDR im Film 2022, https://ddr-im-film.de/de/akteur/scheer